Neuro-KI: Grundrechte und Datenschutz im Fokus
Neuro-KI: Chancen und Herausforderungen
Neurodaten sind Informationen über die Struktur, Aktivität oder Funktion des Nervensystems. Sie werden unter anderem mithilfe von Neurotechnologien oder neurophysiologischen Messverfahren erfasst. Diese Daten können inzwischen gesammelt, miteinander verknüpft und wiederverwendet werden, um Modelle der Künstlichen Intelligenz (KI) zu trainieren und Anwendungen in unterschiedlichen Bereichen zu entwickeln. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten im Gesundheitswesen, in der Rehabilitation und in der wissenschaftlichen Forschung. Gleichzeitig wirft die Nutzung von Neurodaten grundlegende Fragen hinsichtlich des Schutzes von Grundrechten, der demokratischen Rechenschaftspflicht und des öffentlichen Interesses auf.
Von einzelnen Geräten zu vernetzten Infrastrukturen
Die Europäische Gruppe für Ethik in Wissenschaft und neuen Technologien (EGE) spricht sich für einen systemischen und vorausschauenden Ansatz zur Regulierung von Neuro-KI aus. Bisher konzentrierte sich die Regulierung vor allem auf einzelne Geräte und den Datenschutz bei Neurodaten. Die EGE empfiehlt hingegen, die gesamte Neuro-KI-Infrastruktur stärker in den Blick zu nehmen. Dazu zählen vernetzte Systeme, über die Neurodaten erhoben, verarbeitet und wiederverwendet werden, um KI-gestützte neurotechnologische Anwendungen zu entwickeln, einzusetzen und zu verwalten. Darüber hinaus befasst sich die Stellungnahme mit der technologischen Souveränität Europas sowie der Bedeutung von Infrastrukturen, die dem öffentlichen Interesse dienen.
Fünf Empfehlungen für die Regulierung von Neuro-KI
Die Europäische Gruppe für Ethik in Wissenschaft und neuen Technologien (EGE) formuliert fünf zentrale Handlungsempfehlungen:
Der Schutz von Neurodaten sowie daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen soll im Rahmen des EU-Datenschutzrechts klar definiert und gestärkt werden.
Technische Standards, regulatorische Leitlinien und harmonisierte Governance-Anforderungen sollen entwickelt werden. Dies betrifft insbesondere sogenannte Brain Foundation Models (BFMs), grundlegende KI-Modelle zur Verarbeitung von Gehirndaten, sowie Human-centric Foundation Models (HFMs), auf den Menschen ausgerichtete grundlegende KI-Modelle, und die damit verbundenen Neurodaten-Infrastrukturen.
Menschen sollen vor unverhältnismäßiger Kontrolle geschützt werden, wenn Neurodaten oder daraus abgeleitete Schlussfolgerungen in Bereichen mit weitreichenden Konsequenzen eingesetzt werden.
Die europäischen Kapazitäten zur Steuerung und Kontrolle von Neuro-KI-Infrastrukturen im öffentlichen Interesse sollen gestärkt werden.
Eine gezielte und umfassende Überprüfung soll klären, inwieweit der bestehende EU-Rechtsrahmen für Neuro-KI-Systeme geeignet ist.
Über die Europäische Gruppe für Ethik: Die Europäische Gruppe für Ethik in Wissenschaft und neuen Technologien (EGE) ist ein unabhängiges, multidisziplinäres Fachgremium, das die Europäische Kommission in ethischen Fragen berät. Sie ist Teil des Ethics Advice Mechanism (EthAM), eines europäischen Mechanismus für unabhängige Ethikberatung. Dieser unterstützt die EU bei rechtlichen und politischen Fragestellungen, insbesondere dort, wo sich ethische und gesellschaftliche Fragen sowie Grundrechte mit wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen überschneiden.
Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel von Elisa Caccia, der auf der Europäischen Plattform für Digitale Skills und Jobs am 27. Oktober 2026 veröffentlicht wurde.