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Europas Verkehrssektor fehlt es an KI-Kompetenzen

Nur 17 Prozent der europäischen Verkehrs- und Mobilitätsorganisationen haben Künstliche Intelligenz und fortgeschrittene digitale Technologien bislang als strategische Kompetenz verankert, zeigt eine EU-weite Analyse des GreenShift-Projekts.

KI-Einsatz bleibt häufig auf Einzelprojekte beschränkt

Die GreenShift Market Needs Analysis zeigt, dass sich die meisten befragten Verkehrsorganisationen noch in der Erprobungsphase befinden oder KI lediglich punktuell und in begrenztem Umfang einsetzen. Eine Integration in zentrale betriebliche Abläufe und langfristige Strategien findet bislang nur eingeschränkt statt. Damit KI vom Experiment zum Bestandteil des Arbeitsalltags werden kann, braucht es der Analyse zufolge praktische Kompetenzen und geeignete Strukturen, die Daten, Rechenleistung und Modellierung mit konkreten Entscheidungen im Verkehrsbereich verbinden.

Fehlende interne Kompetenzen als größte Hürde

Als größte Hürde für weitere Fortschritte nennen 57 Prozent der Befragten fehlende Kompetenzen innerhalb ihrer Organisation. Weitere 52 Prozent berichten von Schwierigkeiten bei der Integration neuer Technologien in bestehende Altsysteme. Um KI über einzelne Projekte hinaus einzusetzen, benötigen Organisationen daher sowohl entsprechendes Fachwissen als auch die notwendige technische Infrastruktur. Besonders groß ist der Kompetenzbedarf in Bereichen, die unmittelbar mit betrieblichen und ökologischen Entscheidungen zusammenhängen. 53 Prozent der Befragten nennen die Modellierung von Emissionen, 52 Prozent Systeme für Entscheidungen in Echtzeit und 48 Prozent die Integration von KI-Systemen. Die Ergebnisse deuten damit insbesondere auf einen Bedarf an Fachkräften hin, die technische Ergebnisse in konkrete praktische Maßnahmen übersetzen können.

Auch High-Performance Computing (HPC) wird im Verkehrssektor als relevant eingeschätzt, bislang jedoch nur eingeschränkt eingesetzt. Fast zwei Drittel der Befragten bewerten HPC als mäßig oder sehr wichtig. Gleichzeitig sind praktisches Wissen und die operative Nutzung außerhalb spezialisierter Organisationen weiterhin begrenzt.

Fünf zentrale Kompetenzlücken

Europäische Verkehrs- und Logistikorganisationen stehen zunehmend vor der Herausforderung, gleichzeitig zu dekarbonisieren und ihre Prozesse zu digitalisieren. Die Untersuchung identifiziert fünf übergreifende Kompetenzbereiche, in denen bestehende Lücken eine breitere Nutzung neuer Technologien erschweren:

Für kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Effizienz steigern wollen, oder öffentliche Stellen, die Emissionsziele erreichen müssen, stellen diese Kompetenzdefizite laut Analyse ein unmittelbares Hindernis dar. Sie können Innovationen verlangsamen und Emissionsreduktionen verzögern.

EU-weite Analyse mit über 100 Quellen

Die GreenShift Market Needs Analysis untersucht bestehende Kompetenzen, Weiterbildungsangebote, Hindernisse bei der Einführung neuer Technologien sowie den künftigen Qualifikationsbedarf an der Schnittstelle von KI, HPC, fortgeschrittenen digitalen Technologien sowie Verkehr und Mobilität. Grundlage der Untersuchung sind strukturierte Recherchen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten, 103 validierte Quellen, 58 gültige Antworten auf eine Stakeholder-Befragung und neun teilstrukturierte Interviews mit Organisationen aus dem Verkehrs- und Logistikbereich. Die Ergebnisse zeigen nach Angaben des Projekts Muster und Prioritäten innerhalb des Sektors auf. Sie sind jedoch nicht statistisch repräsentativ für den gesamten Verkehrssektor der EU-27.

  • "Diese Untersuchung bestätigt, was viele bereits spüren: Das Interesse an KI und HPC im Verkehrsbereich ist vorhanden, aber die dafür nötigen Fachkräfte gibt es noch nicht in ausreichender Zahl. GreenShift wurde entwickelt, um genau diese Lücke zu schließen."

    Horacio González-Vélez

    GreenShift Project Coordinator at the National College of Ireland

Ergebnisse fließen in neue Bildungsangebote ein

Die Erkenntnisse der Analyse bilden eine Grundlage für den MSc in AI & HPC for Sustainable Transport Systems, einen gemeinsamen europäischen Masterstudiengang, der auf die identifizierten Kompetenzlücken ausgerichtet ist. Darüber hinaus plant GreenShift flexible Micro-Credentials, eigenständige Module und Kurzkurse für Fachkräfte, die bereits im Verkehrssektor tätig sind.

GreenShift ist eine Initiative des Digital Europe Programme und wird vom National College of Ireland koordiniert. Das Projekt vereint 14 Begünstigte und zwei assoziierte Partner aus neun EU-Ländern mit dem Ziel, Kompetenzen in KI und High-Performance Computing für nachhaltigen Verkehr und nachhaltige Mobilität weiterzuentwickeln. Auf der GreenShift-Website stehen die vollständige Market Needs Analysis, ein Video zum Forschungsprozess und eine zusammenfassende Infografik zur Verfügung.

Über GreenShift

GreenShift ist eine vom Digital Europe Programme geförderte Initiative zur Entwicklung von KI- und HPC-Kompetenzen für nachhaltigen Verkehr. Neben dem gemeinsamen europäischen Masterstudiengang MSc in AI & HPC for Sustainable Transport Systems entwickelt das Projekt Micro-Credentials und Kurzkurse. Die Bildungsangebote sollen Fachkräfte und Organisationen dabei unterstützen, KI und High-Performance Computing auf konkrete Herausforderungen im Verkehrs- und Mobilitätsbereich anzuwenden.


Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel von Rozita Talevska, der auf der Europäischen Plattform für Digitale Skills und Jobs am 10. September 2026 veröffentlicht wurde.

Rechtlicher Hinweis: Das Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen ausschließlich jenen der Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht notwendigerweise die Position der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales wider. Weder die Europäische Union noch die Förderstelle können dafür verantwortlich gemacht werden.