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Barrieren für Frauen in digitalen Berufswegen

Neue Daten zeigen, an welchen Punkten Frauen auf dem Weg von der Ausbildung bis in digitale Führungspositionen verloren gehen.

Mädchen erzielen in Naturwissenschaften und Mathematik in der Schule vergleichbare Leistungen wie Jungen. In den Führungsetagen europäischer Technologieunternehmen sind Frauen dennoch selten vertreten. Auf dem Weg dorthin geht Potenzial verloren – während der Ausbildung, beim Berufseinstieg und beim Aufstieg in höhere Positionen.

Wo Frauen auf dem Karriereweg verloren gehen

Der Women in Digital (WiD) Index, der im Rahmen des EU-geförderten Projekts Connecting Women in Digital entwickelt wurde, untersucht die Beteiligung von Frauen entlang des gesamten digitalen Bildungs- und Karrierewegs. Er umfasst alle 27 EU-Mitgliedstaaten sowie vier internationale Vergleichsländer – vom MINT-Unterricht in der Sekundarstufe bis hin zu Führungspositionen im IKT-Bereich.

Auf dieser Grundlage erhält jedes Land einen Wert, der zeigt, wie weit die Gleichstellung der Geschlechter im digitalen Sektor erreicht ist. Die gesammelten Daten machen sichtbar, an welchen Stellen Frauen im Verlauf ihrer Ausbildung und beruflichen Entwicklung verloren gehen. Der EU-Durchschnitt liegt bei 51,7 Punkten. Schweden führt innerhalb der Europäischen Union mit 76,2 Punkten. Im Bereich Führung liegt der EU-Durchschnitt bei lediglich 53,3 Punkten. Die Zahlen bestätigen damit, dass Frauen in digitalen Branchen europaweit beim Aufstieg in Führungspositionen auf deutliche Barrieren stoßen.

Stärken in der Ausbildung reichen nicht aus

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die vier Bereiche des Index: MINT-Bildung, IKT-Bildung, digitale Beschäftigung und Führung. Die Ergebnisse der Länder fallen dabei häufig sehr unterschiedlich aus. Einige Staaten erzielen gute Werte in der IKT-Bildung. Das zeigt, dass Investitionen in digitale Kompetenzen von Mädchen Wirkung zeigen können. Gleichzeitig schneiden manche dieser Länder später im Karriereverlauf deutlich schlechter ab: Frauen sind in der digitalen Beschäftigung weniger stark vertreten oder fehlen weitgehend in höheren Entscheidungspositionen.

Diese Unterschiede sind entscheidend. Ein Land, das Frauen erfolgreich digitale Kompetenzen vermittelt, sie aber nicht im Arbeitsmarkt halten kann, verliert sowohl diese Investitionen als auch Wettbewerbspotenzial. Umgekehrt deutet eine hohe Beschäftigungsquote von Frauen bei gleichzeitig geringer Repräsentation in Führungspositionen auf eine andere Barriere hin: Karrierewege geraten ins Stocken, bevor Frauen die obersten Ebenen erreichen. Der WiD Index macht sichtbar, an welchen Stellen Fortschritte gelingen und wo sie abbrechen.

Daten für gezielte Maßnahmen

Der Index ist ausdrücklich als Instrument für die Praxis konzipiert. Über ein interaktives Dashboard können Verantwortliche aus Politik, Unternehmen und Bildung die Ergebnisse ihres Landes analysieren. Dabei lassen sich unterschiedliche Herausforderungen voneinander unterscheiden. Ein Land mit vielen Absolventinnen, aber geringer Bindung von Frauen an den digitalen Arbeitsmarkt benötigt andere Maßnahmen als ein Land, in dem vor allem der Zugang zu Führungspositionen das Problem darstellt. Gleichzeitig zeigt der Index auch bestehende Datenlücken auf. Die Angaben zu Führungspositionen beruhen auf eigenen Primärerhebungen, weil es in der Europäischen Union kaum harmonisierte amtliche Statistiken zur Beteiligung von Frauen an digitalen Führungspositionen gibt. Das Fehlen solcher Daten stellt selbst ein politisches Defizit dar.

Die digitale Geschlechterlücke zu schließen, ist nicht nur eine Frage der Gleichstellung. Es geht auch um Talente, Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftliches Wachstum und darum, wie Europas digitale Zukunft gestaltet wird. Der Women in Digital Index schafft dafür eine lange fehlende Datengrundlage. Der nächste Schritt besteht darin, diese Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.


Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel von Rosemary Sheridan, der auf der Europäischen Plattform für Digitale Skills und Jobs am 21. August 2026 veröffentlicht wurde.