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Zwischen Smartphone und KI: Einblicke in die „Digital Überall“-Workshops

Digitale Kompetenzen entstehen vor allem durch praktische Erfahrung und verständliche Unterstützung im Alltag. Genau hier setzen die „Digital Überall“-Workshops der Digitalen Kompetenzoffensive an. Medientrainer Alen Velagić erzählt im Interview von typischen Fragen, überraschenden Aha-Momenten und den Herausforderungen, die Menschen im digitalen Alltag beschäftigen.

Trainer Alen Velagic erklärt einer Teilnehmerin etwas auf einem Tablet bei einem Digital Überall Workshop.
© Recreate

Medientrainer Alen Velagić mit einer Teilnehmerin bei einem "Digital Überall" Workshop zum Thema KI in Klosterneuburg - ein Workshop von rund 500, die er bis Anfang Mai 2026 bereits im Zuge der Initiative abgehalten hat.

Im Rahmen der Initiativen "Digital Überall" und "Digital Überall PLUS" hat Alen Velagić bereits rund 500 Workshops durchgeführt, vor allem in Niederösterreich. Dabei unterstützt er Menschen dabei, sich sicherer und selbstbewusster in der digitalen Welt zu bewegen. Im Interview spricht er über typische Herausforderungen, persönliche Aha-Momente und welche digitalen Kompetenzen heute aus seiner Sicht für alle Generationen unverzichtbar sind.


Herr Velagić, wie sind Sie zu „Digital Überall“ gekommen und was motiviert Sie?

Alen Velagić: "Seit 2019 beschäftige ich mich beruflich mit dem Thema Digitalisierung. Im Rahmen meines Studiums habe ich mich bereits für Digitalisierung, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung sowie Kommunalverwaltung begeistert. So ergab sich eines aus dem anderen. Als ich 2023 von der Initiative gelesen habe, habe ich mich mit eigenen Projekten beworben. Was mich bis heute motiviert, sind die direkten Rückmeldungen aus den Workshops – wenn mir jemand sagt, dass ich konkret helfen konnte, etwa bei einem Problem mit dem Smartphone oder einer App."

Wie reagieren die Bürgerinnen und Bürger auf die "Digital Überall"-Angebote? Mit welchen Zielgruppen arbeiten Sie besonders häufig?

Alen Velagić: "Die Workshops sind sehr gut besucht, oft gibt es sogar Wartelisten. Von vielen Teilnehmenden kommt die Rückmeldung, dass sie sehr froh sind, eine Möglichkeit zu bekommen, mit jemandem z. B. das eigene Smartphone Schritt für Schritt kennenzulernen. Im Rahmen von "Digital Überall" halte ich zumeist Workshops für Seniorinnen und Senioren sowie Eltern."

Welche Momente bleiben Ihnen besonders in Erinnerung?

Alen Velagić: "Einmal berichtete eine Teilnehmerin, wie schwierig es ihr fällt, das Smartphone zu bedienen. In ihrer Familie wurde darüber sogar gelacht. Am Ende stellte sich jedoch heraus, dass nicht sie das Problem war, sondern eine zu starke Displayfolie, die Eingaben und Berührungen kaum erkannt hat. Bewegend sind auch Gespräche unter vier Augen, in denen Teilnehmende von Betrugsmaschen berichten, in die sie geraten sind. Gerade bei älteren Menschen handelt es sich dabei nicht selten um hohe Summen, die verloren wurden. Das stimmt nachdenklich, da viele diese Verluste nur schwer ausgleichen können."

Welche „Aha-Momente“ erleben Sie bei den Teilnehmenden am häufigsten?

Alen Velagić: "In meiner Zeit als Trainer habe ich beobachtet, dass es mutige Menschen gibt, die sich auf die Übungen im Kurs einlassen, und andere, die darauf warten, dass jeder Schritt von mir wiederholt wird, bevor sie ihn selbst wagen. Viele gehen davon aus, dass die Geräte sehr komplex aufgebaut sind. Mit einer schrittweisen Einführung gelingt jedoch beispielsweise sowohl das Herunterladen von Apps als auch deren Entfernung. Häufig entstehen Aha-Momente, wenn solche grundlegenden Prozesse einfach und schnell funktionieren und verstanden werden."

Wo liegen die größten Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Technologien?

Alen Velagić: "Die Fragen sind je nach Zielgruppe bzw. Altersgruppe unterschiedlich. Im Zusammenhang mit der ID Austria kommt oft die Frage auf, inwiefern wir bereits einem gläsernen Menschen entsprechen. Viele möchten verstehen, wie die Technologie im Hintergrund funktioniert, denn für sie ist sie etwas Abstraktes. Ich versuche dann, mit alltagstauglichen Beispielen zu arbeiten. Wenn man etwa die ID Austria als eine Art Schlüssel erklärt, wird vieles verständlicher."

Welche Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht heute unverzichtbar, um digital kompetent zu sein?

Alen Velagić: "Bei jüngeren Menschen wirkt der Umgang mit digitalen Geräten oft intuitiv. Gleichzeitig fehlt aber manchmal das Verständnis dafür, wie die Systeme im Hintergrund funktionieren. Entscheidend sind aus meiner Sicht jedoch vier Kompetenzen: ein Grundverständnis für Systemlogik (z. B. Apps, Einstellungen, …), eine kritische Bewertung von Information, sinnerfassendes Lesen auf dem Bildschirm und die Fähigkeit, geduldig zu bleiben, wenn etwas nicht sofort funktioniert. In meinen Workshops stelle ich zudem oft fest, dass das Bewusstsein für Datenschutz und Urheberrecht nicht ausreichend ausgeprägt ist. Gerade Datenschutz in Verbindung mit KI wird künftig eine größere Rolle spielen, etwa im Bereich Onlinekriminalität."

Was unterschätzen viele Menschen im Umgang mit digitalen Tools?

Alen Velagić: "Viele unterschätzen, wie wichtig regelmäßiges Üben ist. Digitale Kompetenzen entstehen nicht durch einmaliges Erklären, sondern durch Anwendung im Alltag. Zudem wird oft unterschätzt, wie stark sich Systeme laufend verändern und Anpassung erforderlich ist. Ein häufiges Missverständnis ist außerdem die Annahme, dass Technologie fehlerfrei sein muss und immer funktioniert. Mir ist aktuell weder ein Gerät noch ein Programm bekannt, das durchgehend einwandfrei läuft. Genau dafür braucht es ein entsprechendes Verständnis."

Welchen Tipp würden Sie jeder Person mitgeben, die digital sicherer werden möchte?

Alen Velagić: "Digitale Sicherheit ist ein fortlaufender Prozess. Sie kann nicht mit einem Kurs erreicht werden, sondern erfordert kontinuierliche Praxis. Mein Tipp ist daher, regelmäßig zu üben und jede Gelegenheit zur Weiterbildung zu nutzen."


  • Die Initiative "Digital Überall" bringt digitale Bildung direkt in die Gemeinden und ermöglicht eine kostenlose, niederschwellige Teilnahme – ein Angebot, das von vielen Menschen dankbar angenommen wird.
    Trainer Alen Velagic.

    Mag. Alen Velagić, BA

    Medientrainer

Das Interview macht deutlich, wie groß der Bedarf an verständlicher und alltagsnaher digitaler Bildung ist – und welche zentrale Rolle engagierte Trainerinnen und Trainer dabei spielen. Im Rahmen der Digitalen Kompetenzoffensive vermitteln Trainerinnen und Trainer österreichweit alltagsnahe digitale Kompetenzen und unterstützen Menschen dabei, sicherer und selbstständiger mit digitalen Technologien umzugehen.