Digitale Teilhabe für jedes Alter
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner haben bei Qualitätszeit im Rahmen von "Digital Überall" rund 100 Workshops abgehalten.
Im Rahmen der Initiativen "Digital Überall" und "Digital Überall PLUS" bringt Qualitätszeit digitale Bildung dorthin, wo sie im Alltag gebraucht wird. Die Workshops sind niederschwellig und auf kleine Gruppen ausgelegt. Dadurch bleibt genügend Raum für individuelle Fragen, praktische Übungen und persönliche Erfolgserlebnisse. Im Interview sprechen Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner von Qualitätszeit darüber, warum digitale Teilhabe heute gesellschaftliche Teilhabe bedeutet, welche Themen besonders wichtig sind und weshalb Neugier und Vorsicht im digitalen Alltag zusammengehören.
Frau Weinholtz, Frau Steinkellner, wie sind Sie zu „Digital Überall“ gekommen und was hat Sie an der Initiative gereizt?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Uns liegt Digitalisierung, besonders für Seniorinnen und Senioren, sehr am Herzen. Deshalb sind wir immer auf der Suche nach Angeboten, die Menschen einen kostenlosen und niederschwelligen Zugang zu digitaler Bildung ermöglichen. An „Digital Überall“ hat uns besonders gereizt, dass viele unterschiedliche Themen flexibel umgesetzt werden können und das Angebot auch für Kleingruppen geeignet ist. So können wir die Teilnehmenden optimal betreuen und gezielt auf ihre Fragen eingehen."
Wie reagieren die Bürgerinnen und Bürger auf die "Digital Überall"-Angebote? Mit welchen Zielgruppen arbeiten Sie besonders häufig?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Die Rückmeldungen sind durchwegs sehr positiv. Viele Teilnehmende sind erleichtert, dass sie eine Anlaufstelle haben, ihre Fragen stellen dürfen und in einem geschützten Rahmen lernen können. Besonders schön ist, dass viele nach einem Workshop gleich weitere Angebote besuchen möchten und wissen wollen, wann und wie es weitergeht. Unsere Hauptzielgruppe sind Seniorinnen und Senioren, zunehmend aber auch Menschen 50+. Besonders viele Frauen nehmen an unseren Angeboten teil. Viele möchten digitale Geräte im Alltag sicherer, selbstbewusster und entspannter nutzen können."
Über 100 Workshops im Rahmen von „Digital Überall“ sind eine beachtliche Zahl. Was motiviert Sie weiterzumachen?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Unsere größte Motivation ist es, Menschen dabei zu unterstützen, digital selbstständiger und sicherer zu werden. Gerade ältere Menschen profitieren enorm davon, wenn digitale Themen verständlich erklärt werden. Durch „Digital Überall“ können wir dieses Wissen vielen Bürger zugänglich machen."
Welche „Aha-Momente“ erleben Sie besonders häufig? Was berührt Sie besonders?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Viele merken plötzlich, dass digitale Geräte gar nicht 'zu kompliziert' sein müssen, wenn man sie Schritt für Schritt erklärt bekommt. Ein häufiger Aha-Moment ist auch, dass viele Funktionen im Alltag tatsächlich Zeit sparen oder Sicherheit geben können. Besonders berührend ist es, wenn Teilnehmende nach einem Workshop erzählen, dass sie sich zum ersten Mal alleine an bestimmte digitale Aufgaben herangetraut haben. Oft geht es dabei um ganz alltägliche Dinge wie Videotelefonie mit der Familie oder das sichere Nutzen von Apps. Diese kleinen Erfolgserlebnisse bedeuten den Teilnehmenden – und auch uns – sehr viel."
Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Unsicherheiten, wo gibt es die größten Wissenslücken im Umgang mit digitalen Technologien?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Sehr viele Fragen drehen sich um Sicherheit: Betrug, Fake-Nachrichten, Passwörter oder Kostenfallen. Viele Menschen möchten wissen, woran sie unseriöse Nachrichten erkennen, wie sie persönliche Daten schützen und wie sie im Zweifelsfall richtig reagieren können."
Wo liegen die größten Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Technologien?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Ein zentrales Thema ist Sicherheit: Wie erkenne ich Betrug? Was darf ich anklicken? Viele haben Sorge, Fehler zu machen oder auf etwas hereinzufallen. Gleichzeitig besteht großes Interesse daran, das eigene Gerät besser zu verstehen und souveräner zu nutzen. Digitale Sicherheit könnte aus unserer Sicht auch noch viel stärker behandelt werden. Viele Menschen unterschätzen, wie professionell Betrugsversuche mittlerweile gestaltet sind. Gleichzeitig braucht es mehr Aufklärung darüber, wie man sich im Alltag mit einfachen Maßnahmen schützen kann."
Wie gehen Sie mit unterschiedlichen Wissensständen in einer Gruppe um?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Wir versuchen, möglichst individuell auf die Teilnehmenden einzugehen und niemanden zu über- oder unterfordern. Wenn es das Angebot ermöglicht, unterstützen zusätzliche Trainer gezielt jene Personen, die bei komplexeren Themen mehr Zeit oder persönliche Begleitung brauchen – direkt während der Übungen im Kurs. So können Fragen unmittelbar geklärt werden, ohne dass die Gruppe aufgehalten wird. Gleichzeitig profitieren die Teilnehmenden voneinander, weil sie sich gegenseitig unterstützen."
Welche Missverständnisse begegnen Ihnen immer wieder? Was unterschätzen viele Menschen im Umgang mit digitalen Tools?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Viele glauben, dass sie „zu alt“ für digitale Themen sind oder dass man am Gerät nichts falsch machen darf. Häufig werden auch Sicherheitswarnungen ignoriert, Hinweise nicht genau gelesen oder Passwörter zu einfach gewählt. Gleichzeitig herrscht wachsende Unsicherheit darüber, welche Informationen vertrauenswürdig sind.
Viele unterschätzen, wie wichtig regelmäßige Updates und grundlegende Sicherheitsmaßnahmen sind. Gleichzeitig wird oft unterschätzt, wie hilfreich digitale Tools im Alltag sein können, wenn man sie richtig nutzt. Auch ein grundlegendes Verständnis von Funktionen und Symbolen ist oft wichtiger als das reine Auswendiglernen von Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Oberflächen und Designs ändern sich schnell. Deshalb ist es hilfreich zu verstehen, wie Apps und Geräte grundsätzlich aufgebaut sind."
Welche Rolle spielen Initiativen wie „Digital Überall“ für die Gesellschaft und was müsste passieren, damit noch mehr Menschen erreicht werden?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Solche Initiativen sind enorm wichtig, weil digitale Teilhabe heute gesellschaftliche Teilhabe bedeutet. Sie helfen dabei, Menschen mitzunehmen, die sonst vielleicht den Anschluss verlieren würden. Außerdem schaffen sie Räume, in denen Lernen ohne Druck und ohne Kosten möglich ist. Wichtig wären noch mehr regionale und leicht zugängliche Angebote sowie eine stärkere Bewerbung direkt dort, wo die Menschen ihren Alltag verbringen. Viele erfahren erst durch Freundinnen, Freunde oder Bekannte von solchen Workshops. Persönliche Empfehlungen spielen daher eine große Rolle."
Welchen Tipp würden Sie jeder Person mitgeben, die digital sicherer werden möchte?
Daniela Weinholtz und Luise Steinkellner: "Wir würden jeder Person raten, digitale Dinge neugierig und ohne zu viel Angst auszuprobieren. Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien entsteht oft durch Erfahrung. Gleichzeitig ist es wichtig, aufmerksam und kritisch zu bleiben – gerade bei Nachrichten, Links oder persönlichen Daten. Dieses gesunde Mittelmaß zwischen Offenheit und Vorsicht ist wahrscheinlich die größte Herausforderung, aber auch der beste Weg, um sich digital sicher und selbstbewusst zu bewegen."
Das Interview zeigt, wie wichtig verständliche, alltagsnahe und persönliche digitale Bildung ist. Qualitätszeit macht sichtbar, dass digitale Sicherheit nicht mit Perfektion beginnt, sondern mit Vertrauen, Übung und der Möglichkeit, Fragen stellen zu dürfen.