Digitale Kompetenz beginnt mit Ausprobieren
Mehmet Tasdemir hält im Rahmen von "Digital Überall" einen Workshop zum Thema Sicherheit im Netz - ein Workshop von rund 300, die Panda Edu bis Juni 2026 im Zuge der Initiative abgehalten hat.
Im Rahmen der Initiativen "Digital Überall" und "Digital Überall PLUS" vermittelt Panda Edu digitale Kompetenzen direkt vor Ort – kostenlos, niederschwellig und mit besonderem Fokus auf Menschen, die bisher wenig Berührung mit aktuellen digitalen Entwicklungen hatten. Im Interview erzählt Mehmet Tasdemir von Panda Edu, warum gerade alltagsnahe Themen so gut funktionieren, welche Fragen Teilnehmende besonders beschäftigen und warum digitale Sicherheit oft mit einem kurzen Moment des Innehaltens beginnt.
Herr Tasdemir, wie sind Sie zu „Digital Überall“ gekommen und was hat Sie an der Initiative gereizt?
Mehmet Tasdemir: "Aufmerksam geworden sind wir über einen Social-Media-Beitrag des Staatsekretariats für Digitalisierung. Uns hat sofort angesprochen, dass wir hier ganz konkret Menschen im Alltag unterstützen und digitale Kompetenzen niedrigschwellig vermitteln können – besonders jenen, die bisher wenig Zugang dazu hatten."
Wie reagieren die Bürgerinnen und Bürger auf die "Digital Überall"-Angebote? Mit welchen Zielgruppen arbeiten Sie besonders häufig?
Mehmet Tasdemir: "Die Rückmeldungen sind durchwegs sehr positiv. Viele schätzen, dass die Workshops kostenlos und direkt vor Ort stattfinden. Besonders häufig hören wir, dass die Inhalte praxisnah und verständlich vermittelt werden. Unser Schwerpunkt liegt auf Seniorinnen und Senioren. Viele sind bereits länger in Pension und hatten seit dem Berufsleben wenig Kontakt mit neuen digitalen Entwicklungen. Gleichzeitig ist der Wunsch groß, im Alltag unabhängiger zu werden."
Welche Rolle spielen Initiativen wie „Digital Überall“ für die Gesellschaft? Was müsste passieren, damit noch mehr Menschen durch solche Initiativen erreicht werden?
Mehmet Tasdemir: "Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur digitalen Inklusion. Gerade für Menschen, die sonst wenig Berührung mit digitalen Themen haben, schaffen sie einen niedrigschwelligen Zugang und fördern Selbstständigkeit. Mehr lokale Präsenz wäre entscheidend – etwa durch Kooperationen mit Gemeinden, Vereinen oder sozialen Einrichtungen. Zusätzlich braucht es stärkere Sichtbarkeit, damit potenzielle Teilnehmende überhaupt von den Angeboten erfahren."
Über 300 Workshops sind eine beachtliche Zahl. Was motiviert Sie weiterzumachen?
Mehmet Tasdemir: "Die direkten Rückmeldungen aus den Workshops. Wenn Teilnehmende merken, dass sie Dinge plötzlich selbstständig erledigen können, die ihnen zuvor unsicher erschienen sind, ist das extrem motivierend – für sie und für uns."
Welche „Aha-Momente“ erleben Sie bei den Teilnehmenden am häufigsten?
Mehmet Tasdemir: "Typische Aha-Momente entstehen, wenn Teilnehmende erkennen, wie vielseitig ihr Smartphone im Alltag helfen kann – etwa bei Navigation, Übersetzungen, Sprachsteuerung oder Bilderkennung. Das erweitert oft den Blick auf das eigene Gerät grundlegend. Besonders eindrücklich sind Momente, in denen Teilnehmende nach dem Workshop berichten, dass sie erstmals bestimmte Dinge allein geschafft haben. Diese kleinen Erfolgserlebnisse haben oft eine große Wirkung auf das Selbstvertrauen."
Wo liegen die größten Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Technologien?
Mehmet Tasdemir: "Ein zentrales Thema ist Sicherheit: Wie erkenne ich Betrug? Was darf ich anklicken? Viele haben Sorge, Fehler zu machen oder auf etwas hereinzufallen. Gleichzeitig besteht großes Interesse daran, das eigene Gerät besser zu verstehen und souveräner zu nutzen."
Welche Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht heute unverzichtbar, um digital kompetent zu sein?
Mehmet Tasdemir: "Wichtiger als reines Technikwissen sind aus unserer Sicht Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren. Ergänzend braucht es ein gewisses Maß an kritischem Denken, insbesondere im Umgang mit Informationen im Internet."
Was unterschätzen viele Menschen im Umgang mit digitalen Tools?
Mehmet Tasdemir: "Viele unterschätzen, wie dynamisch sich digitale Anwendungen weiterentwickeln und wie wichtig kontinuierliches Lernen ist. Gleichzeitig wird oft unterschätzt, wie stark digitale Tools den Alltag tatsächlich erleichtern können."
Welchen Tipp würden Sie jeder Person mitgeben, die digital sicherer werden möchte?
Mehmet Tasdemir: "Im Zweifel lieber innehalten: nichts überstürzt anklicken, Nachrichten hinterfragen und bei Unsicherheit nachfragen. Ein kurzer Moment der Prüfung verhindert oft größere Probleme."
Das Interview mit Mehmet Tasdemir von Panda Edu macht deutlich: Digitale Bildung wirkt besonders dann, wenn sie nahe am Alltag der Menschen ansetzt. Ob Smartphone-Nutzung, Navigation oder Online-Sicherheit – entscheidend ist, dass Teilnehmende Fragen stellen, selbst ausprobieren und in ihrem eigenen Tempo lernen können. Initiativen wie „Digital Überall“ leisten damit einen wichtigen Beitrag zu mehr digitaler Teilhabe in Österreich.