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Wunsch nach Software aus Europa groß

Eine aktuelle Bitkom-Umfrage aus Deutschland zeigt: Viele Menschen wünschen sich mehr digitale Technologien, Software und Dienste aus Europa.

Wunsch nach mehr Unabhängigkeit

Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland sieht das Land bei digitalen Technologien stark von Anbietern außerhalb Europas abhängig. Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom sind 93 Prozent der Befragten der Meinung, dass Deutschland bei zentralen digitalen Diensten wie Software, Smartphones oder Messenger-Apps auf außereuropäische Anbieter angewiesen ist. Entsprechend groß ist der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit: 79 Prozent sprechen sich dafür aus, stärker in wichtige digitale Schlüsseltechnologien zu investieren. Nahezu alle Befragten – 99 Prozent – halten eine größere digitale Unabhängigkeit für wichtig.

Zwischen Anspruch und Alltag

Im Alltag zeigt sich jedoch ein gemischtes Bild. Rund ein Drittel der Befragten, 34 Prozent, gibt an, bereits bewusst ein digitales Produkt aus Europa gewählt zu haben. Weitere 27 Prozent haben zumindest schon darüber nachgedacht. Gleichzeitig sagen ebenfalls 34 Prozent, dass sie sich mit dieser Frage bislang noch nicht beschäftigt haben. Damit bleibt eine deutliche Lücke zwischen dem grundsätzlichen Wunsch nach mehr digitaler Souveränität und dem tatsächlichen Nutzungsverhalten.

Viele Menschen sehen die Verantwortung nicht allein bei Politik und Wirtschaft. 87 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass auch Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Verhalten ändern müssen, um mehr digitale Unabhängigkeit zu erreichen. Eine Mehrheit von 62 Prozent wäre sogar bereit, kurzfristige Nachteile in Kauf zu nehmen. In der Praxis scheitert ein Wechsel jedoch häufig an konkreten Hürden: Mehr als die Hälfte der Befragten, 55 Prozent, empfindet den Umstieg auf europäische Anbieter als zu umständlich.

Vom Interesse zur breiten Nutzung

Die tatsächliche Nutzung europäischer digitaler Angebote ist bisher vergleichsweise gering. Nach eigenen Angaben nutzen 14 Prozent europäische soziale Netzwerke. 13 Prozent setzen auf europäische Suchmaschinen oder Browser, 11 Prozent verwenden Messenger-Dienste aus Europa. In anderen Bereichen fallen die Werte noch niedriger aus: Nur 6 Prozent der Befragten nutzen europäische KI-Anwendungen oder Chatbots. Smartphones europäischer Hersteller verwenden lediglich 5 Prozent.

Die Umfrage macht deutlich: Das Interesse an digitalen Alternativen aus Europa ist grundsätzlich vorhanden. Im Alltag kommen diese Angebote bislang jedoch deutlich seltener zum Einsatz, als es der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit vermuten lässt. Entscheidend dürfte daher sein, ob europäische Dienste schneller massentauglich werden und für Nutzerinnen und Nutzer einfacher zugänglich, attraktiver und komfortabler sind.

Grundlage der Umfrage: Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland. Sie zeigen sowohl das wachsende Interesse an digitalen Angeboten aus Europa als auch die bestehenden Herausforderungen bei Nutzung, Verbreitung und Akzeptanz.


Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel von Dörte Stahl, der auf der Europäischen Plattform für Digitale Skills und Jobs am 08. Juni 2026 erstveröffentlicht wurde.