Gleichstellung als Schlüssel für die digitale Zukunft
Der Internationale Frauentag am 08. März steht weltweit für die Anerkennung sozialer, wirtschaftlicher, kultureller, digitaler und politischer Leistungen von Frauen. Gleichzeitig fungiert er als Impulsgeber für Veränderungen. Der Tag erinnert daran, dass Gleichstellung ein wesentlicher Treiber für nachhaltiges Wirtschaftswachstum und digitale Transformation ist – zentrale Ziele der Digitalstrategie der Europäischen Kommission.
Fortschritte – aber noch keine Gleichstellung
Seit seiner Einführung im Jahr 1911 hat sich der Internationale Frauentag zu einer globalen Bewegung entwickelt. 2026 markiert dabei ein Jubiläum: 115 Jahre Einsatz für Chancengleichheit und die Stärkung von Frauen aller Altersgruppen weltweit.
Dennoch zeigen aktuelle Daten, dass bisher keine Volkswirtschaft vollständige Gleichstellung erreicht hat. Laut Global Gender Gap Report 2025 des Weltwirtschaftsforums wird es bei aktuellem Tempo noch über ein Jahrhundert dauern, bis Parität erreicht ist. Schätzungen zufolge sind es etwa 122 Jahre und 338 Tage oder rund fünf Generationen ab jetzt, um die wirtschaftliche Geschlechterlücke zu schließen.
Kaum Karrierechancen trotz Bildungsvorsprung
Der Anteil von Frauen am Arbeitsmarkt steigt stetig weiter und lag 2024 bei 41,2 Prozent. Zuwächse gibt es auch in traditionell männerdominierten Branchen. Gleichzeitig arbeiten viele Frauen weiterhin in schlechter bezahlten Bereichen wie Bildung und Gesundheitswesen. Eine bessere Balance zwischen Männern und Frauen könnte Fachkräftemangel reduzieren, Einkommensunterschiede verringern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber technologischem Wandel stärken.
Frauen schneiden in der Hochschulbildung häufig sogar besser ab als Männer. Dennoch sind sie sowohl im Arbeitsmarkt als auch in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Weltweit sind nur 29,5 Prozent der Führungskräfte mit Hochschulabschluss Frauen. Auch im digitalen Bereich zeigt sich diese Diskrepanz: Frauen stellen mehr als die Hälfte der EU-Bevölkerung, machen jedoch nur etwa 19 bis 20 Prozent der IKT-Fachkräfte aus. Zudem entfällt lediglich rund ein Drittel der MINT-Abschlüsse auf Frauen. Gleichstellung ist daher ein zentraler Bestandteil der EU-Politik, etwa in der Gender Equality Strategy 2024–2029. Im Rahmen der Digitalen Dekade strebt die EU bis 2030 rund 20 Millionen IKT-Fachkräfte an – mit dem Ziel, den Frauenanteil deutlich zu erhöhen.
Initiativen entlang der gesamten Bildungskette
Maßnahmen zur Steigerung des Frauenanteils in der IKT- und Technologiebranche auf EU- und nationaler Ebene haben in den letzten Jahren ebenfalls dazu beigetragen, diese Lücke teilweise zu verkleinert.
Der Women in Digital (WiD)-Index ist ein zusammengesetzter Indikator, der dazu dient, die Gleichstellung der Geschlechter im IKT- und Digitalsektor in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und ausgewählten Vergleichsländern zu messen und zu verfolgen. In der Erkenntnis, dass die Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen im digitalen Bereich die Beseitigung von Hindernissen und Lücken in jeder Phase der Karriere erfordert – von der grundlegenden MINT-Ausbildung bis hin zu Führungspositionen –, verfolgt der Index einen Pipeline-Ansatz und verfolgt die Beteiligung von Frauen von der MINT-Ausbildung bis hin zu Führungspositionen im IKT-Sektor. Österreich liegt aktuell mit einem Gesamtscore von 52.6 Punkten leicht über dem EU-Durchschnitt (51.7 Punkte). Innerhalb der EU ist Schweden derzeit mit einem Gesamtscore von 76.2 Punkten Spitzenreiter.
Um mehr Frauen für digitale Berufe zu gewinnen, setzen Programme oft schon früh an. Die Initiative „Girls Go Circular“ vermittelt beispielsweise Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren digitale und unternehmerische Kompetenzen und hat bereits über 45.000 Teilnehmerinnen erreicht. In Luxemburg bringt „Tech Talks 4 Girls“ Mädchen im Alter von 9 bis 15 Jahren Programmierung, Robotik und digitale Kreativität näher. Seit März 2024 vernetzt das Women4Cyber Network Fachfrauen im Bereich Cybersicherheit auf der Digital Skills and Jobs Plattform der EU.
Zudem würdigen die European Digital Skills Awards 2026 (EDSA26) Projekte zur Förderung von Frauen im IKT-Bereich. Die Kategorie „Women in ICT“ hebt Initiativen hervor, die gezielt den Frauenanteil in digitalen Berufen erhöhen.
Weiterführende Informationen
Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel von Galina Misheva, der auf der Europäischen Plattform für Digitale Skills und Jobs am 09. März 2026 erstveröffentlicht wurde.