OECD-Bericht: Wie KI den Lernprozess gezielt unterstützen kann
Generative KI verändert Bildung grundlegend
Der OECD Digital Education Outlook 2026 analysiert auf Basis aktueller internationaler Forschung, wie generative künstliche Intelligenz (GenAI) Bildungssysteme verändert – weit über Klassenzimmer und Unterrichtspläne hinaus. Im Unterschied zu früheren Bildungstechnologien sind viele generative KI-Anwendungen frei zugänglich, intuitiv nutzbar und außerhalb institutioneller Kontrolle verbreitet. Diese schnelle Verbreitung eröffnet neue Chancen, bringt aber auch erhebliche Risiken für Lehre, Lernen und Governance mit sich.
Laut OECD kann generative KI das Lernen unterstützen, wenn ihr Einsatz klaren pädagogischen Prinzipien folgt. Fehlt diese Orientierung, steigert KI zwar häufig die Aufgabenleistung, führt jedoch nicht automatisch zu nachhaltigen Lernerfolgen.
Lehrkräfte nutzen KI mit Vorbehalten
Neue Daten verdeutlichen das Tempo der KI-Einführung: 2024 gaben 37 % der Lehrkräfte der Sekundarstufe I an, KI in ihrer Arbeit einzusetzen (OECD-Erhebung TALIS).Mehr als die Hälfte (57 %) sehen Vorteile beim Erstellen oder Verbessern von Unterrichtsplänen. Gleichzeitig äußern 72 % Sorgen um die akademische Integrität, da KI es Lernenden erleichtern könne, fremd erzeugte Leistungen als eigene auszugeben. Diese ambivalente Haltung unterstreicht eine zentrale Aussage des Berichts: Entscheidend ist nicht, ob generative KI genutzt wird, sondern wie.
Leistungssteigerungen bedeuten nicht automatisch Lernerfolg
Ein zentrales Ergebnis des Berichts: Erfolgreiche Aufgabenerledigung mit generativer KI bedeutet nicht zwangsläufig Lernen. Studien zeigen, dass Qualitätsvorteile von KI-gestützten Arbeiten oft verschwinden oder sich umkehren, sobald der KI-Zugang – etwa in Prüfungen – fehlt. Die Auslagerung kognitiver Arbeit an Chatbots kann zu „metakognitiver Trägheit“ führen und Engagement sowie langfristige Kompetenzentwicklung mindern. Nachhaltigere Effekte zeigen hingegen gezielt entwickelte oder eingesetzte pädagogische generative KI-Werkzeuge.
Pädagogische Einbettung macht den Unterschied
Wird generative KI in durchdachte Unterrichtskonzepte integriert, kann sie kritisches Denken, Kreativität und Zusammenarbeit fördern. In gut gestalteten kooperativen Lernszenarien stärkt generative KI nachweislich Argumentationsfähigkeit und fachliches Verständnis. Besonders hervorgehoben werden KI-gestützte intelligente Tutorensysteme (ITS): Durch dialogbasierte Interaktion können sie sich adaptiv an Lernende anpassen, gezielt nachfragen und Strategien in Echtzeit verändern.
Der Bericht betont, dass generative KI Lehrkräfte nicht ersetzt, sondern ihre Arbeit ergänzen kann. Forschungsergebnisse zeigen, dass weniger erfahrene Tutorinnen und Tutoren mit pädagogisch gestalteten KI-Werkzeugen die Qualität ihrer Unterstützung und die Lernergebnisse der Studierenden deutlich verbessern.
Die OECD hebt die Bedeutung der gemeinsamen Gestaltung hervor. Die Einbeziehung von Lehrkräften und Endnutzerinnen und Endnutzern in die Entwicklung von generativenKI -Tools trägt dazu bei, dass diese Technologien das Fachwissen erweitern und die Handlungsfähigkeit der Lehrkräfte respektieren, wodurch Ergebnisse erzielt werden, die weder Menschen noch KI allein erreichen könnten.
Effekte über den Unterricht hinaus
Auch Bildungsforschung und Verwaltung profitieren zunehmend von generativer KI . Seit der Einführung von ChatGPT nutzen Forschende KI entlang des gesamten Forschungsprozesses – von der Ideenfindung bis zum Feedback auf Entwürfe. In Bildungssystemen kann generative KI Verwaltungsabläufe vereinfachen, Curricula abstimmen, Prüfungsaufgaben unterstützen sowie Lernressourcen klassifizieren und zugänglich machen. Bei guter Umsetzung ermöglicht sie zudem kontinuierliche Studien- und Berufsberatung.
Handlungsempfehlungen
Die OECD identifiziert vier zentrale Handlungsfelder:
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Menschzentriertes Lernen stärken, indem grundlegende Kompetenzen, eigenständiges Denken und Beziehungen priorisiert und KI gezielt ergänzend eingesetzt wird.
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In Forschung und Entwicklung investieren, mit lernwissenschaftlich fundierten, gemeinsam entwickelten und evaluierten KI -Werkzeugen.
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Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, etwa zu Datenschutz, Sicherheit, Transparenz, Fairness und Altersangemessenheit.
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Inklusive Infrastruktur sichern, um allen Zugang zu Geräten, Konnektivität, curricularen Ressourcen und Fortbildung zu ermöglichen.
Angesichts des rasanten Aufstiegs generativer KI in Europa und weltweit zieht der OECD Digital Education Outlook 2026 ein klares Fazit: generative KI kann Bildung wirkungsvoll unterstützen – aber nur, wenn ihr Einsatz pädagogisch fundiert, politisch begleitet und konsequent am Menschen ausgerichtet ist.
Weiterführende Informationen
Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel von Laia Güell Paule, der auf der Europäischen Plattform für Digitale Skills und Jobs am 03. Februar 2026 erstveröffentlicht wurde.