OECD-Bericht 2025: Lernen in allen Lebensphasen
Der Bericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) untersucht, wie Länder gute Absichten in tragfähige Systeme des lebenslangen Lernens übersetzen können. Im Fokus stehen vier entscheidende Lebensphasen: frühe Kindheit, Adoleszenz, Lebensmitte und die Jahre vor dem Ruhestand. In diesen Phasen sind Menschen besonders lernoffen oder gefährdet, sich vom Lernen zu lösen – gezielte Politik kann hier langfristige Wirkungen entfalten.
Wille, Kompetenzen und Ressourcen
Die Analyse stützt sich auf Erfahrungen aus 35 Ländern und mehr als 230 politischen Maßnahmen. Ziel ist es zu zeigen, welche politischen Gestaltungsansätze Menschen dabei unterstützen, kontinuierlich zu lernen. Der Bericht knüpft an die OECD-Erklärung von 2022 zum Aufbau gerechter Gesellschaften durch Bildung an. Zentral ist das Wille-Kompetenzen-Ressourcen-Modell:
-
Wille: Neugier, Selbstvertrauen und Sinnorientierung beim Lernen
-
Kompetenzen: kognitive, soziale und digitale Grundlagen
-
Ressourcen: Zeit, finanzielle Mittel und soziale Netzwerke
Der Bericht dient als vergleichendes Handbuch für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger. Er analysiert, wie Länder kohärente Systeme des lebenslangen Lernens entwickeln und internationale Evidenz in konkrete politische Handlungsoptionen übersetzen.
Politische Schwerpunkte nach Lebensphasen
Frühe Kindheit (0–6): Neugier und Selbstvertrauen aufbauen
Die frühe Kindheit legt das Fundament für lebenslanges Lernen. Politische Maßnahmen konzentrieren sich auf:
-
Wille: Förderung positiver Lernhaltungen
-
Kompetenzen: frühe kognitive und sozial-emotionale Entwicklung, Qualität und angemessene digitale Nutzung
-
Ressourcen: Stärkung des häuslichen Lernumfelds und gerechter Zugang
Prioritäten: Durch die Zeit hinweg bessere Arbeitsbedingungen für Fachkräfte schaffen, Stärkung des familiären Engagements sowie erweiterter Zugang, wie z. B. in Tschechien und Spanien.
Frühe bis mittlere Adoleszenz (10–16): Identität und Sinn entwickeln
Diese Phase ist von Identitätsfindung und erhöhtem Risiko der Lernabkehr geprägt. Im Fokus stehen:
-
Wille: Selbstwirksamkeit und sozial-emotionale Kompetenzen
-
Kompetenzen: wirksamer Unterricht und überfachliche Fähigkeiten
-
Ressourcen: Digitalisierung, Berufsorientierung und sektorübergreifende Zusammenarbeit
Prioritäten: Investition in kontinuierliche, praxisorientierte Fortbildungen für Lehrende, die Lehrpläne, digitale Tools und Bewertungen miteinander verbinden. Beispiele sind Finnlands Lehrplanreformen und die sektorübergreifende Kooperation in Island.
Lebensmitte (35–44): Flexibilität und Mobilität fördern
Erwerbstätige stehen vor der Herausforderung, Arbeit, Familie und Weiterbildung zu verbinden. Politische Maßnahmen setzen an bei:
-
Wille: Motivation durch Ansprüche, Beratung und Netzwerke
-
Kompetenzen: modulare, kombinierbare Abschlüsse sowie digitale und überfachliche Fähigkeiten
-
Ressourcen: Finanzierung, Beratung, digitale Zugänge und Arbeitsmarktpartnerschaften
Prioritäten: Angebot kurzer, flexibler Kurse, Stärkung der Anerkennung vielfältiger Bildungswege. Estland erkennt beispielsweise nicht-formales und informelles Lernen an; Norwegen unterstützt die betriebliche Ausbildung.
Übergang in den Ruhestand (55–65): Anpassen und verbunden bleiben
Lernen im späteren Lebensalter stärkt Anpassungsfähigkeit, Sinn und soziale Teilhabe. Schwerpunkte sind:
-
Wille: Engagement fördern und Erfahrung wertschätzen
-
Kompetenzen: Weiterbildung, digitale Teilhabe und generationenübergreifendes Lernen
-
Ressourcen: altersgerechter Zugang, Anreize und koordinierte Angebote
Prioritäten: Empfohlen werden altersinklusive Arbeitspraktiken wie Mentoring, flexible Arbeitsmodelle und Wissensweitergabe.
Ausblick: Grundlage für künftige EU-Initiativen
Die Ergebnisse der Umfrage sollen in die Arbeit der Europäischen Kommission zur Stärkung der digitalen Bildung einfließen. Für 2026 ist ein Bildungspaket im Rahmen der „Union of Skills“ geplant, das auch eine Roadmap bis 2030 zur Zukunft der digitalen Bildung und Kompetenzen enthalten wird.
Weiterführende Informationen
Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel von Rosemary Sheridan, der auf der Europäischen Plattform für Digitale Skills und Jobs am 09. Dezember 2025 erstveröffentlicht wurde.